Wie die Wasserratte schon 1908 zum Maulwurf sagte: "Glaub mir, mein junger Freund, es gibt nichts, absolut gar nichts auf der ganzen Welt, das auch nur halb so viel wert wäre, wie einfach mit Booten herumzubummeln … Ob du dich davonmachst oder ob du es bleiben lässt; ob du dein Ziel erreichst oder ob du ganz woanders ankommst oder niemals irgendwo, beschäftigt bist du immer und etwas Besonderes tust du nie."


Aus "Der Wind in den Weiden", von Kenneth Grahame.


As the Water Rat said to the Mole already in 1908, "Believe me, my young friend, there is nothing – absolutely nothing – half so much worth doing as simply messing about in boats …Whether you get away, or whether you don't; whether you arrive at your destination or whether you reach somewhere else, or whether you never get anywhere at all, you're always busy, and you never do anything in particular."


From "The Wind in the Willows," by Kenneth Grahame.


Sonntag, 31. März 2019

Canal du Rhône au Rhin 5

Besançon  Ougney-les-Champs; 28 km, 8 locks, 6 engine hours.
Länger gefahren als geplant heute, weil keinen brauchbaren Anlegeplatz gefunden. Schliesslich übernachten wir am Steiger der idyllischen Schleuse Nummer 42 bei Ougney-les-Champs.

A longer day than we'd imagined because we couldn't find anyplace appealing to tie up for the night. Finally, in the late afternoon, we stopped at the idyllic waiting pontoon at Lock 42 near Ougney-les-Champs.
Der Tag beginnt mit einer Fitnessrunde inklusive Kletterpartie für Roy bei der handbetriebenen Schleuse St. Paul. Hier werden auf Ausflugsbooten auch regelmässig Schulklassen durchgeschleust, die so das Prinzip einer Kammerschleuse aus eigener Anschauung kennen lernen. Auch der kleine Wicht im Bild unten bekommt von seiner Mama das Schleusenprinzip erklärt; anschliessend hilft er beim Öffnen eines der Tore.

We left Besançon the way we got there: through the manually operated Moulin St. Paul lock. This mom, below, watched us with her two kids and when papa appeared, he kindly closed the fourth and final door with his son so I could just jump onboard and get ready to roll.

Bye bye Besançon.

Die Spuren des kürzlichen Hochwasser sind immer noch überall sichtbar. Der Doubs hat unter Süsswassermatrosen einen schlechten Ruf wegen seiner plötzlichen und heftigen Hochwasser und seinen wandernden Sandbänken.

Relics of high waters recent and not so line the banks of Doubs, a river with a reputation among boaters for being tricky due to its shifting beds and water depth.

Wie ich gerade bei Wikipedia gelernt habe, handelt es sich hier nicht um eine Doppel- sondern um eine Koppelschleuse: das Untertor ist das Obertor der tieferen Kammer. (Bei einer Doppelschleuse hingegen handelt es sich um zwei parallel liegende Schleusenkammern.)

We had a real 'staircase' lock, where the upper gate of one lock is the lower gate of the upper lock. Cool.
Und siehe, wer da in der Schleuse auftaucht – der Alpöhi, der uns in Besançon beim Reinigen des Toilettenrohrs geholfen hat (wir haben nie seinen Namen erfahren, deshalb ist er für uns der Alpöhi). Aufgeregt erklärt er, dass wir zu schnell gefahren sind, als wir ihn soeben vor der Schleuse passierten; die Maximumgeschwindigkeit sei drei Knoten, also etwa 5,5 km pro Stunde. Unser Kanalführer nennt als Höchstgeschwindigkeit 10 km, aber der Alpöhi lebt ganz offensichtlich nach seinen eigenen Regeln. Was er sagt, ist schwer zu verstehen, insbesondere weil er beim Reden seinen Stumpen im Mund behält. Trotzdem, nett ihn wieder zu sehen.

And look who appeared as we were tying up --- Claude's helper with our stuck toilet, who we called Alpöhi, from Heidi, because we never caught his name. What a dude. A real river rat. He was a bit agitated, telling us here that the speed limit on the Doubs was 3 knots/h, 5.5 km/h, when we were going around 10 km/h as we passed him before the lock. Our books say the limit is 10 but he's a man who obviously lives by his own rules. And we never could quite understand him, what with that evil stogie stuck between his lips. Nice to see him again, anyway.

Schnell zu fahren empfiehlt sich auf dem Doubs ohnehin nicht. Da ist einerseits die beeindruckende Landschaft, die man doch gebührend geniessen möchte. Andererseits ist die Fahrrinne schwer zu finden. Die Infotafel am Ufer gibt an, dass sie 20 Meter vom Ufer entfernt verläuft, doch die Distanz ist schwer einzuschätzen. Wir folgen hauptsächlich unserem Tiefenmesser.

Speeding is in any case unwise on the Doubs. First, you would be hurrying through some impressive countryside. And not least it's hard to know where the channel is. The sign in the photo suggests the channel is 20 meters from the shore, which is nice to know but hard to judge sometimes. Our guide has us pretty much on the left side of the river as we go upstream and we constantly check our depth meter in any case. 
Dieser Hund kommt angerannt, als er uns sieht, um uns schwanzwedelnd und heftig bellend zu begrüssen.

Funny dog. Saw us coming from some distance, separated himself from his people and ran down the ramp barking and wagging his tail in greeting.
Später beschliessen wir, einen Anleger mitsamt einem Restaurant auszukundschaften, das laut unserem Kanalführer in einem Seitenkanal hinter einer Insel im Fluss liegt. Die Szenerie ist berückend und die Wassertiefe gut, zwischen 2.40 und 3 Metern. Langsam und vorsichtig dringen wir in den kleinen Kanal vor. Bis es plötzlich ein knirschendes Geräusch gibt ... ein unmissverständliches und für jeden, der es schon einmal gehört hat, unvergessliches Kratzen. Das Geräusch eines Bootsrumpfes, der mit etwas Unflüssigem Kontakt hat. Wir halten sofort an, aber das Wasser ist nach wie vor fast 3 Meter tief. Was ist da los?

As the afternoon progressed, we decided to investigate a possible mooring, indicated in our map book on a side channel, with a pontoon and a restaurant. It surely was idyllic and the water depth was good, 2.4 to 3 meters. Slowly, slowly we entered the channel. The "pontoon" turned out to be a rickety landing but the restaurant beckoned. And then, Grrk-k-kachucka, the unmistakable (to the initiated) sound of the prop making contact with something illiquid. Quickly gone but not forgotten! We came to an immediate stop. We were still in 3 meters of water. What was going on?
Da der Bootssteg sowieso nicht besonders stabil aussieht  man sieht ihn hier in der Bildmitte   treten wir den Rückzug an.

We looked around and in the brilliant sun we managed to see at least two totally submerged TREES. Perfect boat killers lying below the surface, waiting to eat your prop. 
Um eine erneute Kollision mit was auch immer es war zu vermeiden, lege ich mich auf den Bug und halte Ausschau. Das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann. Tatsächlich sichte ich so mehrere Bäume in der Fahrrinne. Mit Handzeichen dirigiere ich Roy um die Hindernisse herum. Dieses Foto ist ein Selfie im spiegelnden Wasser.

Aila went to the bow, lay on the deck and directed me where to steer to get out of there. Unfortunately I took no pictures of her as a bowsprit and pilot. I was pretty busy at the time following her hand signals. But this selfie gives you the idea.
Und hier einer der Bäume, der die Fahrrinne blockiert. Es dauert eine Weile, bis wir eine freie Stelle finden, durch die wir wieder zurück auf den Hauptarm des Doubs kommen.

This is one of the stealth trees that we got a photo of. I saw another one, a big, big tree lying parallel in the channel, totally underwater. Unfair, but that's the Doubs.
Dort geht es weiter durch idyllische Dörfer und Landschaften. Typisch Jura halt. Man beachte auch den 2CV, der garantiert keinen Schweizer Abgastest bestehen würde.

Back on the river, we passed through some charming towns in the narrow valley, this one with a Deux-Chevaux standing by, waiting for M. Hulot.

Plan Bs Plan B für die Übernachtung ist einer der Wartestege, die es vor den meisten Doubs-Schleusen gibt. Eigentlich sind sie zum Warten auf die Schleusung bestimmt, aber so früh in der Saison und so spät am Tag hat niemand irgendwelche Einwände. Und ausserdem ist es hier ausgesprochen schön; zu schön, um einfach vorbei zu fahren!

Plan B's Plan B for overnight moorings is to find a nicely situated pontoon at a lock. After 4 or 5 pm, nobody objects if you tie up for the night. This time we found a beauty.


Neira jedenfalls freut sich, als sie endlich wieder festen Boden unter dem Bauch hat.

Neira was glad to get some grass and dirt between her toes.
Bei unserer Anlegestelle findet gerade auch noch ein Interview mit einem rastabelockten französischen Star statt, was alleine schon darauf hinweist, wie idyllisch unser Rastplatz ist. Bei dem Star handelt es sich unseren Recherchen gemäss um Olivier Delacroix, seines Zeichens Rocker, Dokumentarfilmer und Journalist.

As we were tying up, we noticed a small but well equipped film crew, two camera operators and a sound person and an interviewer all circling around a rather stout fellow with dreadlocks. Now a paean to Google: Aila merely entered 'France+Dreadlocks' et voilà, she quickly came to this guy, Olivier Delacroix, a rocker and a thinker, it seems. That search smacked my gob, I can tell you. 
Ach ja, und noch eine gute Nachricht zum Ende des Tages: der Zwischenfall mit dem Baum hat unseren Propeller nicht beschädigt. Wir sind zuversichtlich, dass unter Wasser auch sonst alles in Ordnung ist, Anzeichen auf andere Schäden haben wir jedenfalls keine bemerkt.

Oh, and a happy end to the day came when we raised the drive and saw the prop was unharmed by whatever it struck in that side channel. Everything seems ok but you can't let your guard down on the Doubs, no doubt.

Donnerstag, 28. März 2019

Ende gut, alles gut!
Not the heart, it's the arteries!

Wir hatten einen gemächlichen Tag geplant. Einen Spaziergang durch die Stadt, vielleicht einen kleinen Lunch in einem sonnigen Café. Doch wie so oft im Bootsleben, kam es anders.
Es begann mit einem Telefonat mit einer Bootswerft in Deluz, 20 Kilometer weiter den Doubs hinauf. Wir hätten ein Problem mit unserer Toilette, sagten wir, dass wir in den kommenden Tagen vorbei kommen würden; und ob man uns behilflich sein könnte? Der Mann am anderen Ende der Leitung sagte in exzellentem Englisch, dass er gerade im Hafen von Besançon an einem Boot arbeite, und in etwa einer Stunde bei uns vorbei kommen würde. So weit, so gut.

Trigger warning: Readers who find evidence of corporeal impurity unsettling are advised to skip this post (and possibly life itself).
It all started innocently enough. We called ahead to the shipyard in Deluz, our next stop, said we were coming and asked if they could help with our toilet trouble. In very good English, Claude said that he was in the Besançon harbor and would come onboard in an hour to take a look.
Claude kam, sah, und begann sein Werk. Es gibt da diesen langen Schlauch, der von unserer Toilette durch das ganze Boot zum Abwassertank führt. Wir haben ihn in Tholen bereits einmal ausgetauscht, und wissen: es ist eine schweisstreibende und schmutzige Arbeit. Doch alle vier Jahre wieder muss es offenbar sein. Was man hier sieht, ist Harnstein, der sich in einem Rohrkrümmer abgelagert hat. Nicht schwer sich vorzustellen, wie es in der Leitung selber aussieht.

There is one long hose that runs from the toilet, roughly midship, to the blackwater tank in the stern. We had replaced this hose in Tholen four years ago and Dirk, our boat savant, said they're good for four years. Right again, Dirk. For the strong of spirit what you're seeing here is uric acid crystals that have totally blocked the hose and the elbow leading to the tank. 
Wäh! Reinigung der Ableitung des Abwassertanks.

Well, we started trying to dislodge the nasty gunk, with no success.
Die Leitung führt unter der Sitzbank am Küchentisch durch; alle in den benachbarten Luken verstauten Waren müssen ausgeräumt werden.

We moved progressively back toward the stern, that is, we went through the kitchen.
Typisch Bootsleben. Eine relativ kleine Sache artet unversehens in Chaos aus.

And soon enough we decided the only thing to do was to remove the hose, get it onshore and beat the hell out of it to free the passage. This, of course, meant undoing Aila's masterful storage arrangements and loading the stuff wherever we could. End result---the boat looked like a bomb had gone off.
Neira, der Bootshund, bleibt cool in ihrem Bett auf der Brücke, während sich rundum unser Hab und Gut stapelt.

Of course, we had to open the engine room fully so lots of stuff was also stowed on the bridge. Neira took it well, as usual. Aila sat with her so she knew nothing really bad could happen to her.
Im Badezimmer sieht es auch nicht besser aus.

 Back in the bathroom, things were looking wild.
Die Männer versuchen, die Blockade in der Leitung mit einer Rohrreinigungsspirale zu lösen, leider ohne Erfolg.

We tried the plumber's snake. Un-uh. No go.
Claudes Assistent sieht aus, als ob er seit längerem in wohlverdienter Ruhe sitzen sollte. Er spricht kein Wort englisch, dafür aber viel mit sich selbst, und ist sehr freundlich.

Claude's assistant was this remarkable-looking guy. He spoke no English but was friendly and knowledgable, and looked like he'd lived an interesting life.
Auf der Suche nach einem zur Deblockade der Leitung geeigneten Instrument muss auch unser geliebter Höhenmesser dran glauben.

I took down our fishing rod/height indicator, hoping it might serve to force out the gunk. 
Doch auch mit der Angelrute ist kein Durchkommen.

Un-uh. Nope.
Man schreitet also zum letzten Mittel, dem Entfernen der Leitung.

Then we decided to get radical, pull the hose, which is no simple task, believe me. Inch by inch, we pulled that effing hose out and got it on the finger.



Claude hat in seiner Werft keine Ersatzleitungen an Lager. Es gibt also nur eines, unsere Leitung muss deblockiert werden. Alle Mittel sind recht!

A-one, a-two, a-three. Beat that thing!
Nachdem die Männer unsere Leitung mit allen erdenklichen Mittel malträtiert haben, endlich der Durchbruch! Die Leitung ist frei und muss nun zurück an ihren Platz. Das ist schwieriger, als sie zu entfernen ... wir können gar nicht glauben, dass wir all dies vor vier Jahren zu zweit geschafft haben.

After much abuse, and to our absolute delight, we cleared the hose! Whoopee. Now we had to put it back, which is an even harder task that removing it. I can't believe Aila and I did this ourselves four years ago. 
Doch schliesslich ist das Rohr wieder da, wo es hingehört. Für den Moment, wohlgemerkt, denn ich persönlich (und ich stehe da völlig allein) glaube nicht, dass wir vor dieser Leitung mehr als ein paar Monate Ruhe haben werden.

We three guys huffed and puffed and finally the cleaned out hose was reconnected.
Vorläufig jedoch ist unsere Toilette wieder funktionstüchtig. Claude sieht entsprechend erleichert aus. Wir rechnen es ihm hoch an, dass er nicht aufgegeben hat, sondern dieses vertrackte Problem auf jeden Fall lösen wollte.
Was folgt, sind die unspektakulären und deshalb undokumentierten Aufräumarbeiten. Es dauert einige Stunden, bis Plan B wieder zuhause ist. Aber Ende gut, alles gut, wie man sagt. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende!

Claude, with a well-earned triumphant smile. What a relief! The toilet is functional again, let's hope for a couple of years at least. And now we really know the symptoms of uric crystal blockage. Whew!
What this post does not show is the Herculean clean-up effort, led by Aila, that followed, to say nothing of the reinstallation of her hi-res storage arrangements. Let's just say we were both pretty done in by the time the boat was looking like home again. This was supposed to be a leisure and sightseeing day. Instead, it was yet another get-to-know-your-boat day. But as we say in German, 'Ende gut, alles gut, yo.'